Die Reaktionen am Markt waren nach der letzten Herabstufung der Ratingagentur Standard & Poors (S&P), von der gleich neun Staaten betroffen waren, bei weitem nicht so heftig, wie es bei früheren Herabstufungen noch der Fall war. Im Grunde zeigten die Märkte keine wirkliche Negativreaktion. Verlieren die Rating Agenturen etwa langsam an Einfluss?
Auf der einen Seite ist die erneute Herabstufung für Staaten wie Italien oder auch Spanien sicherlich negativ, denn gerade diese Staaten hätten es bitter nötig, sich am Kapitalmarkt etwas preiswerter Geld als bisher leihen zu können. Dennoch zeigten sich die Märkte nahezu unberührt von der Herabstufung, was manche Experten durchaus als Anzeichen dafür werten, dass immer weniger Wert auf die Meinung der Ratingagenturen gelegt wird. Vielleicht haben die Agenturen durch das in den letzten Monaten fast stetig vorgenommene „Abwerten“ von Staaten den Bogen überspannt, sodass sie nicht mehr wirklich ernst genommen werden.
Der Markt bewertet die Bonität der Staaten eigenständig
Untermauert wird diese Theorie auch durch die Praxis, denn schon seit geraumer Zeit bilden sich die Märkte ihre eigene Meinung zur Kreditwürdigkeit von Staaten und warten nicht mehr ab, bis die Rating-Agenturen ihre „Urteile“ verkünden. Schaut man sich zum Beispiel die kürzliche Abstufung Frankreichs an, so haben die Märkte diese im Prinzip schon länger vorweggenommen. Hier kommt S&P also regelrecht zu spät mit dem Entzug der bisherigen Bestnote AAA. Denn der Rendite-Unterschied zwischen den deutschen und den französischen Staatsanleihen beträgt beispielsweise schon seit geraumer Zeit fast schon zwei Bonitätsklassen.